Schlagwort-Archive: Roman

Kat Kaufmann – Die Nacht ist laut, der Tag ist finster

Kat Kaufmann: Die Nacht ist laut, der Tag ist finsterBereits im Mai ist mit „Die Nacht ist laut, der Tag ist finster“ der zweite Roman von Kat Kaufmann erschienen.

Jonas ist nach einem Erbe von 5000 Eur am Scheideweg seiner vermeintlich nutzlosen Existenz, er wendet sich von der Freundin und der eigenen Familie ab. Für ihn ist klar, er muss nach Russland, muss Valerij Butzukin finden und damit seinem Leben einen Sinn geben, endlich die eigenen Wurzeln spüren. Die Reise beginnt in Berlin und wird von allerlei skurrilen Personen begleitet. Natürlich schafft er es nach Russland zu kommen, aber wen oder was wird er dort finden?

Selten hatte ich das Gefühl, dass ein Roman eine Lebenswelt so sehr trifft, wie dieser. Das Leben in Berlin eines jungen Erwachsenen mag von Sven Regener in „Herr Lehmann“ noch besser eingefangen worden zu sein, jedoch einzig und allein, weil er hierauf den Fokus gelegt hat. Kat Kaufmann schafft es dem Ganzen noch eine vielschichtige Zerrissenheit der Lebensperspektive hinzuzufügen. Egal ob dies nun ein Diskurs diverser kultureller oder ethischer Hintergründe, die bevorstehende Weltpolitik oder die Sinn-Findung als solches ist. Dieser Roman ist mit 272 Seiten für den ein oder anderen sicherlich viel zu kurz, lässt auf der anderen Seite aber auch genug Raum für Gedankenspiele einer persönlichen eigenen Interpretation. Ein mehr als unkonventioneller Erzählstil trifft hier auf Humor und existentielle Fragen.

Nicht nur eine Urlaubslektüre, aber sicher gibt es nur wenig Besseres, um seine Zeit im Urlaub zu verbringen!

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[Tempo – Hoffmann und Campe Verlag]

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Wolfgang Schorlau – Die Schützende Hand (neue Recherchen in Sachen NSU)

Die Schützende HandWenn am 6. April die Taschenbuchausgabe von Wolfgang Schorlaus „Die Schützende Hand“ erscheint, wird diese Ausgabe auch um die neuen Erkenntnisse angereichert sein.

Inzwischen stellte sich der Selbstmord von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt als komplette Inszenierung heraus, beide starben ca. 12 Stunden vor dem angegebenen Todeszeitpunkt

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[kiwi]

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John Irving – Straße der Wunder

John Irving Straße der Wunder Straße der Wunder lautet der Titel des 13. Romans von John Irving. Er handelt vom erfolgreichen Schriftsteller Juan Diego, der ein lang zurückliegendes Versprechen einlösen will und deshalb zu den Philippinen reist. Doch seine Vergangenheit als Müllkippenkind aus Mexiko holt den Schriftsteller immer wieder ein. Die damaligen außergewöhnlichen Erlebnisse, rund um seine wundervolle Schwester, werden  kunstvoll in Träume und Erzählungen auf  seiner Reise verpackt.

John Irving ist ein Meister der abstrusen Geschichten und in diesem Roman nimmt er sich sicher auch selbst ein wenig auf die Schippe, zahlreiche Anspielungen auf ältere Romane und auf das Schriftsteller Dasein an sich machen den Roman besonders für Irving Fans zu einem Fest. Natürlich darf auch in diesem Roman die Auseinandersetzung mit der Religion nicht fehlen mehr…

[Diogenes]

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Holger Karsten Schmidt – Auf kurze Distanz

Holger Karsten Schmidt - Auf kurze Distanz

Holger Karsten Schmidt – Auf kurze Distanz

Holger Karsten Schmidt gelingt es mit seinem Kriminalroman „Auf kurze Distanz“ einen eindrucksvollen Einblick in die Welt der Wettmafia zu geben.

Klaus Burck ist gelangweilt von seinem Schreibtischdienst bei der Polizei in Kiel. Als er plötzlich verhaftet wird, ahnt er noch nicht, dass das mit seiner Bewerbung als verdeckter Ermittler zu tun hat. Er wird zu Klaus Roth und es gelingt ihm schnell mit Luka, dem Neffen des Oberhauptes des Mafia-Clans, Freundschaft zu schließen. So gerät er gleichzeitig in die Bredouille seiner Identitäten. Weniger das Geld und die Verharmlosung der Sportwetten setzen ihn unter Druck, sondern vielmehr die Nähe und Freundschaft zu Luka und seiner Frau. Irgendwann wird er sich entscheiden müssen…

Holger Karsten Schmidt ist Drehbuchautor und zweifacher Grimme-Preisträger für „Mörder auf Amrum“ und „Mord in Eberswalde“. „Auf kurze Distanz“ ist sein zweiter Roman, spannend erzählt und (wohlmöglich) nah an der Realität. An die Faszinationskraft seines ersten Romans, Isenhart„, reicht das neue Werk leider nicht ganz.

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[http://www.holger-karsten-schmidt.de/]

[rororo]

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Wolfgang Schorlau – Die Schützende Hand

Die Schützende HandWolfgang Schorlaus achter Dengler-Fall beschäftigt sich mit den NSU-Morden.

Der Privatermittler Dengler bekommt in seiner höchsten finanziellen Not einen anonymen und vorausbezahlten Auftrag: Wer hat die beiden NSU Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ermordet? Laut bekannter Faktenlage scheint das schnell verdientes Geld zu sein. Da seine geliebte Olga gar nicht begeistert ist, dass Georg sich diesem Fall annimmt und so wohl möglich aus Tätern Opfer macht, will Dengler den Fall schnell abschließen. Allerdings ist bald klar, dass der Tathergang, so wie er der Öffentlichkeit verkauft wurde, nicht haltbar ist. Also macht sich Dengler zusammen mit Olga auf nach Thüringen…

Wie in allen Dengler-Fällen verknüpft Schorlau Fakten und vermeintliche Tatsachen mit der fiktiven Geschichte des Privatermittlers Georg Dengler. Ihm gelingt es dadurch immer wieder den Leser fassungslos erstarren zu lassen und gleichzeitig an einer Wahrheitsfindung teilhaben zu lassen. Wie Schorlau im Nachwort hervorhebt, handelt es sich nur um eine Möglichkeit, wie die einzelnen Morde miteinander zusammenhängen könnten. Er nimmt in Kauf, dass der gewohnte Lesegenuss, durch das Zitieren der gesammelten Dokumente und Unterlagen unterbrochen wird und schafft es genau dadurch den Leser sowohl im Buch wie auch in der Realität zu fesseln.

„Was hatte Nopper zu ihm gesagt: Die Wahrheit ist das Letzte, was hier irgendjemand hören will. Du hast keine Ahnung in welchem Land Du lebst.
Wir werden sehen dachte Dengler.“

Da sind wir doch auf die umfassende Aussage von Beate Zschäpe gespannt 🙂

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[kiwi]

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Konzert ohne Dichter – Klaus Modick

 Klaus Modick - Konzert ohne Dichter

Klaus Modick – Konzert ohne Dichter

Heinrich Vogeler der vielseitig begabte und hochkreative Künstler: Maler, Architekt, Designer, Schriftsteller, Pädagoge und nicht zuletzt Grafiker lässt sein bisheriges Leben noch einmal Revue passieren, anlässlich seiner größten Auszeichnung im Juni 1905, der „Großen Medaille für Kunst und Wissenschaft“, unter anderem auch für das Bild „Sommerabend“ oder „Konzert“. Das Bild an dem er 5 Jahre gearbeitet hat, bildet das Zentrum des Romans von Klaus Modick. Dieser erzählt auf einfühlsame Weise die Entstehungsgeschichte des Gemäldes und gestattet dem Leser einen Blick in die Gefühlswelt des Künstlers Heinrich Vogeler. Das Buch erzählt wie Vogeler auf seinen Studien­reisen, unter anderem nach Italien, den noch jungen und unbekannten Dichter Rainer Maria Rilke kennenlernt und sich in Worpswede dem Künstlerkreis um Mackensen, Modersohn, Overbeck und Hans am Ende anschließt und auch durch die Liebe zu seiner Muse Martha an diesem Ort seine neue Wirkungsstätte findet. Er kauft mit Hilfe einer Erbschaft den Barkenhoff, der von der Bauernkate zum repräsentativen Mittelpunkt der Worpsweder Gemeinschaft wird. Dort finden Konzerte und gesellschaftliche Ereignisse statt, die den Maler letztendlich auch zu seinem Bild anregen. Auf Vogelers Einladung kommt auch Rilke nach Worpswede. Dieser verliebt sich gleich in zwei Frauen des Künstlerdorfes, Clara Westhoff und Paula Becker doch die Ménage-à-trois währt nicht lange und Rilke heiratet Clara. Die Freundschaft zwischen Vogeler und Rilke ist von Anfang an fragil und zerbricht letztendlich. Über die Jahre verändert Vogeler das Bild immer wieder, der Dichter Rilke wird übermalt, die Personen auf dem Gemälde wirken alle nicht besonders glücklich und auch Heinrich Vogeler wird von Selbstzweifeln geplagt und möchte das Bild am liebsten zerstören.

Das Buch „Konzert ohne Dichter“ ist eine wundervolle Reminiszenz an eine vergangene Zeit und Klaus Modick gelingt es, die Welt von damals zu entzaubern und dabei einen Einblick hinter die Kulissen zu gewähren. Ein Buch was man unbedingt gelesen haben muss!

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[kiwi]

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Frank Schulz – Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen

Frank Schulz - Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen

Frank Schulz – Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen

Frank Schulz schickt in Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen den Privatdetektiv auf Kreuzfahrt. Im Nachfolgeroman von Onno Viets und der Irre vom Kiez stehen aber nicht nur die Auswirkungen des ersten Falls als ständiger Begleiter und Widersacher von Onno zentral. Onno begleitet den exzentrischen Künstler Donald Jochemsen auf eine Kreuzfahrt, um ihm Beistand zu leisten, während der Künstler die Gunst der Stunde bei einer viel jüngeren Sängern nutzen möchte. Beide schwelgen in der 30jährigen Vergangenheit, bis diese zumindest Onno einholt und so zu einem Wendepunkt auf hoher See führt, der mehr als überraschend ist.

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[Galiani Verlag Berlin]

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